Ein Jahr Frankreich: #2 Abschied auf Raten: Adieu Friedenau!

Ein Jahr Frankreich
Kaum ist die Ankündigung unseres Auslandsjahres draußen, vernehme ich, dass der Pfälzer Wörter mit mehr als 20 Buchstaben gar nicht liest, da er viel zu faul ist. Der Papierpanscher aus Kandel bezeichnet die Franzosen deshalb kurz als "Froschfresser". Ja, derb sind sie die Pfälzer.
Das Ziel der Reise scheint offiziell festzustehen: CAEN in der Normandie.
Spontane Assoziationen: Ärmelkanal, 6.6.1945, Deutsche als Hassobjekt, Stahlindustrie und Hafenkneipen.
Mit dem näher rückenden Termin (Beginn der Sommerferien) wird die Zeit in Berlin/Friedenau kostbar – was ist wichtig und was sollte man in jedem Fall noch getan haben (für Vorschläge bin ich generell offen).
Auch mache ich mir Gedanken, was ich in Frankreich an Friedenau vermissen werde:
– zu aller erst die vielen Freunde, die Vertrautheit und den kurzen Plausch auf der Straße
– meine freitäglichen Proben mit meiner Band SHORTY in der berühmten Niedstraße
– das Schlagzeug spielen überhaupt
– die herumlungernden Frauen vor der Schule und die u.a. durch sie angeregten "HaßtiradenLiebesbekundungen in Friedenau" (dieses literarische Meisterwerk werde ich noch behauen und dann plötzlich und unverhofft aus dem Ärmel ziehen)
Marcellos Mittagstisch und die "Bacci Sprüche"
– Die Friedenauer Schwaben-Connection (dazu wird noch einiges zu berichten sein)
– meine 94 jährige Nachbarin
– Das Fußballspielen mit meiner Truppe
– den ganzen Rest Berlins; vor allem als Motiv für meine LOMO
Was werde ich nicht vermissen:

– die Nachbarn, die mich regelmäßig anzeigen, weil ich vor meiner Garage stehe = deutsche Blockheads
– Hundehalter, die ihr Tier überall hin machen lassen:
Hundekacke Tütenspender Frankreich
"Dieser Tütenspender steht zu ihrer Verfügung. Zusammen. Unseren Lebensraum reinhalten!"
So ordentlich könnte das in Friedenau und am besten in ganz Berlin auch sein oder man sollte ein Gesetz einführen, dass das tragen von Schußwaffen zum Erlegen von Schoßhündchen grundsätzlich erlaubt. Aber vielleicht ist das wieder so ein Unterschied, der Franzose würde sich nie so aufregen!
noch mehr über Friedenau:

Wo Günter Grass seinen Butt kaufte und Max Frisch nachts im Pyjama durch die Straßen lief. Seit der Gründung vor mehr als 135 Jahren als Villenkolonie Friedenau ist dieser Ortsteil Schönebergs bis heute ein Hort für Künstler geblieben. Frisches Grün, Straßen und Plätze, die zum Flanieren einladen und die prächtige Behaglichkeit hoher Räume kommen einem anspruchsvollen Publikum entgegen. In den 1960er und 1970er Jahren wies Friedenau die größte ‚Dichterdichte‘ Berlins auf. Berlin als politisches Brennglas zwischen Ost und West bildete einen Anziehungspunkt für gesellschaftskritische Schriftsteller. Friedenau wurde ein Ort zum Schreiben für sie. Mit Selbstzeugnissen von Günter Grass, Uwe Johnson, Max Frisch und Erich Kästner, vorgetragen vor ihren Wohnhäusern, wird der Spaziergang zu einer Manifestation Friedenaus als einem literarischen Lebensort und ersetzt ein Semester Germanistik.

Kontakt: Gudrun Blankenburg,

Quelle: Berlin Spuren

Eine Antwort zu “Ein Jahr Frankreich: #2 Abschied auf Raten: Adieu Friedenau!”

  1. filmmogul » Blog Archiv » Darf ich vorstellen: “Oranje Poppins” Sagt:

    […] Es wurden keine mit Ihrer Suchanfrage – “Oranje Poppins” – übereinstimmenden Dokumente gefunden. Das wird sich nun schlagartig ändern. “Oranje Poppins” war in einem früheren Leben Lehrkraft und hat sich wie DLSA ins Ausland abgesetzt. Da sie hervorragend schreiben kann und fleißig die Sprache der Holländer lernt, fließen solch schöne Beobachtungen aus ihrer Feder: …Kacke, das heißt auf Nederlands nämlich poep gesprochen pup, wohingegen das schöne Wort kaakholte nichts mit Kacke zu tun hat, sondern Kiefernhöhle bedeutet. Aufgrund des Klimas hierzulande leiden die Menschen häufig unter Kaakholtenontsteking.) Soviel zu den Schönheiten der niederländischen Sprache. P.S. noch ein schönes Wort: Borsten heißt Busen Aus einer Email im Bezug auf Ein Jahr Frankreich # 2: […]

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