Archiv für die Kategorie ‘Double Screening’

Der Fall Andrej Holm und das hilflose Strampeln des BKA

Dienstag, 27. Januar 2009

Wie ich an anderer Stelle berichtet habe, wurde der Fall des Berliner Soziologen Andrej Holm, der im Verdacht steht, einer terroristischen Vereinigung anzugehören (militante Gruppe kurz „mg“) von Hans Weingartner verfilmt.
„Deutschland ´09“ ist ein Episodenfilm aus 13 Kurzfilmen namhafter deutscher Regisseure und feiert am 13. Februar bei der Berlinale seine Weltpremiere.
Allerdings lässt mich der Fall nicht mehr in Ruhe. Da er teilweise aufschlussreich über Polizeiarbeit und deren Versagen berichtet.
Zum einen kann man den ganzen Fall Andrej Roth bei der Lebensgefährtin Anne Roth in deren Blog Annalist nachlesen, zum anderen Berichten viele Quellen „von außen“ darüber.
Auf Heise finde ich einen Artikel, er mir glaubhaft versichern will, dass das BKA nicht fähig ist, eine per PGP/GnuPG verschlüsselte Datei zu knacken:

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat offenbar versucht, eine mit PGP/GnuPG verschlüsselte Datei zu öffnen und sich dabei an verschiedene Wissenschaftler, aber auch an das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik gewandt.

Wie bitte, nicht mal das BKA kann eine solche Datei öffnen? Braucht gar die Hilfe (ohne Erfolgsgarantie!) überteuerter Wissenschaftler aus Köln dazu?
Wenn Anne Roth im Interview über die Ermittlungen und deren Pannen spricht, dann hört es sich nach einem „Rosa Panther“ an und nicht nach einer ernst zunehmenden Behörde.
Der Computer stürzt vier mal ab, weil das BKA mitschneidet, der Typ mit dem Strick-Pullover ist schon wieder im Einsatz, um unauffällig zu beschatten…
Das sind doch die 80er?
Vielleicht ist es dringend notwendig, dass Herr Schäuble seine Leute in ein anderes Jahrhundert führt und dazu die Methode mit der Brechstange anwendet, weil er sich sonst in aller Öffentlichkeit dem Gelächter preisgibt und nie den Respekt bekommen wird, nachdem er sich so krampfhaft sehnt.
Für alle anderen, die böses im Schilde führen, ist dieser Fall eine Gebrauchsanleitung zum Verarschen des BKAs.

Das Hacker Manifest wird 23!

Donnerstag, 08. Januar 2009

23!
Was für eine schöne Zahl für ein Jubiläum.
Heute vor 23 Jahren am 8. Januar 1986 wurde das Hackermanifest von The Mentor (alias Loyd Blankenship) geschrieben.
loyd blankenship
Loyd Blankenship mit seiner Nichte.

Für die einen sind Hacker wildromantische Helden, für die anderen Kriminelle.
Zunehmend wird das Wissen der Hacker (glücklicherweise auch von ihnen selbst) kommerzialisiert: rent a hacker.
Beim „Show Hacking“ werden den Anwesenden ohne jegliche Zauberei zum Beispiel die Adressbücher vom Handy herunter kopiert. Oder Tobias Schroedel zeigt mal eben Passwörter raten leicht gemacht.
Während Blankenship ein geregeltes Leben führt, tauchen andere in seinen Fußstapfen knietief ein. Der Fall des Kreditkartenknackers Max Butler liest sich wie ein Krimi (wired berichtete).
Die zentrale Aussage des Hackermanifestes, das als Grundlage für eine Hackerethik taugen soll, ist das Eintauchen in die digitale Welt, als Ersatzbefriedigung für das unperfekte analoge Leben. Maschinen kann man mit dem nötigen Wissen dazu kriegen, das zu tun, was man von ihnen will, Menschen kann man mit diesem Wissen nicht Knacken.
Das Tor in die digitale Welt hat sich mit dem Hackermanifest und seinem Versprechen eine kontrollierbare Welt vorzufinden, weit geöffnet, 23 Jahre später wissen wir, es war eine Falle: zumehmend knöpfen wir uns selbst Minuten ab, in denen wir uns zwingen, nicht in unsere Maschinen und Schirme zu starren, um am analogen Leben überhaupt noch Teil zu nehmen.
Ein neues digitales Manifest müsste mit den Worten beginnen:
„Hacker aller Länder vereinigt euch!“

Interview aus dem Jahr 2000 mit Loyd Blankenship

Double Screening

Dienstag, 21. Oktober 2008


Double Screening ist der Nickname eines online Redakteurs, der unter anderem bei gulli schreibt.

Er nennt sich nach einem Programm, dessen Namen man selten hört.
Eingängigen Recherchen zufolge war Double Screening die Erfindung eines ehemaligen BKA Mitarbeiters, KHK Waldemar Kitt, der maßgeblich an der Entwicklung der Rasterfahndung beteiligt war. Dank ihm gelang 1979 die Ergreifung von RAF-Mitglied Rolf Heißler.

Waldemar Kitt

Alle Stromabnehmer in Frankfurt, die bar bezahlen, verglich er mit den gemeldeten Personen. Blieben 16 000. Minus Anzahl der Personen ohne zugelassenes KFZ blieben 1000. Minus der Personen, die Kindergeld bezogen, blieben 2.
Ein Rauschgifthändler und ein Terrorist.

Trotz der Erfolge kommt die Rasterfahndung aus der Mode und wird vom Spiegel totgeschrieben, man will keinen Überwachungsstaat in Deutschland mehr.
Kitt forscht BKA intern weiter an Möglichkeiten der Datenvernetzung.

Die Beobachtende Fahndung und die Zielfahndung, Inpol und PIOS, Fahndungsrasteroptimierung am laufenden Band.

Auch BKA intern stößt sein Datensammeln und seine spezielle Art der Auswertung zunehmend auf Schwierigkeiten, seine Methoden gelten als zu fortschrittlich und man schätzt sie als zu teuer ein. Kitt droht die Umsetzung in eine andere Abteilung.
Nach der Ermordung von John Lennon 1980, die für ihn eine Wegmarke setzt, beginnt er ein Doppelleben zu führen.
Er kann mit der Tatsache, dass es sich um die Tat eines Irren handelte, nicht umgehen.
Die RAF war ein ideologischer Feind, Chapman ein unberechenbarer Irrer.
Während er tags den braven Bürger mimt, wirft er nachts das Telefonmodem für den Appel II an.
Die Daten, die er mit nach Hause schmuggelt, dienen für die Erstellung erster Datenbanken.
In ersten Computerclubs findet er gleichgesinnte und Helfer, die ihm bei der Programmierung einer Urversion von Double Screening helfen.
Das Programm wird so gebaut, dass es sich auf die Zwischenspeicher sämtlicher ungeschützter Rechner eines Netzwerkes, verteilt. Die Programmierung sieht vor, dass es selbstständig immerfort Daten sammelt und nach vorgegebenen Kriterien auswertet.
Bei einer Anfrage des Masters, so der Plan von Kitt, kann so auf hunderte Rechner zugegriffen werden (je nach Größe des Netzwerkes).
Im Jahr 1990 wird Waldemar Kitt suspendiert.
Die Attentate auf Wolfgang Schäuble und Oskar Lafontaine hatte er beide „vorhergesagt“.
Double Screening hatte Anzeichen gefunden, die ein Attentat auf beide Politiker im Bereich des Möglichen sahen.
Beide Male zeigte er dies bei seinen Vorgesetzten an. Es wurden aber keine erhöhten Sicherheitsmaßnahmen getroffen.
Die Ermittler machen vor einer Hausdurchsuchung ihres Kollegen Kitt nicht halt.
Das sichergestellte entwendete Datenmaterial führte zu seiner Suspendierung.
Kurze Zeit später wurde er von seiner Frau als vermisst gemeldet.
Double Screening geriet in Vergessenheit. Das Programm schürft seither Daten in der digitalen und in der analogen Welt.