Archiv für die Kategorie ‘Im Ausland isses anders’

# 68 Willkommen zurück?

Montag, 04. Januar 2010

flaggezwei_jahre_frankreich
Das war´s gewesen. Aus. Schluss. Vorbei. Finito musica.
Der Auslandsreisende sollte in keinem Fall vergessen, dass man irgendwann wieder zurückkommt. Von den Ereignissen überrollt, steht man dann in der alten neuen Wohnung, hat noch 50 Kartons im Keller und wundert sich, dass das Leben der anderen auch weiterging.
Mit Lichtgeschwindigkeit verflog die Zeit dahin. Die Eindrücke schlummern in Fotokisten, die zu verstauben drohen. Vieles wird vor dem Wegwerfen nicht mehr angerührt werden. Die Zeit ist vorbei und bleibt, wenn überhaupt, nur als Spurenelement zurück: der letzte normannische Sand im Auto, die zusammengesuchten Ausstellungsgegenstände für einen Rückblick, die Sinneseindrücke und Gedanken, die Inspirationen, alles droht mit einem Mal weggefegt zu werden vom Schlamm des Alltags.
Ehemalige Bande sind gerissen, andere wurden gestärkt.
Die Zeit im Ausland fliegt wie eine große Blase an einem vorbei. Das Ganze zerfällt in seine Einzelteile:

Splitter

Splitter


Verweile doch! Nichts da!
In der Neujahrsnacht habe ich dann auch noch meinen kleinen Anhänger verloren, Frankreich und einen Handschuh. Was bleibt, frage ich mich gar nicht mehr, die Antwort kennen wir Pessimisten.

Tag der Sklavenbefreiung

Sonntag, 20. Dezember 2009

Während andere an diesem Tag schlicht ihren Geburtstag feiern, tobt auf der französischen Insel La Réunion der Bär.

So feiert man unter anderem auch jedes Jahr am 20. Dezember das Fest der Sklavenbefreiung. Der Geschichte nach, gab es im Jahre 1818 auf der Insel rund 70.000 Sklaven und lediglich 17 000 unabhängige Leute, damit lebten zu dieser Zeit vier Mal mehr Leibeigene auf der Insel. Der Grund für diese Überbevölkerung an Sklaven war der hohe Bedarf an Arbeitskräften auf den Zuckerrohr- und Kaffeeplantagen. Im Dezember 1848 wurde schließlich auch auf La Réunion die Abschaffung der Sklaverei verkündet und dadurch über 60.000 Sklaven zu freien Menschen.

Heute wird der 20.Dezember auf La Réunion als „Tag der Sklavenbefreiung“ bezeichnet und ist auf der Insel im wahrsten Sinne des Wortes ein „Feier“-Tag.

Die Franzosen und das Englisch

Dienstag, 30. Juni 2009

Ab und an schleichen sich Worte in die französische Sprache, die die Académie française noch nicht kennt und auch nicht kennen will. Man hütet die französische Sprache und will sie gegen diese englischen Pfui-Worte schützen, um nicht zu sagen man konserviert und balsamiert sie.
Mutige nutzen Worte wie „flyer“ und im Radio kündigt man sogar „hits“ an, aber man spricht es französisch aus: die neuesten its!
Wieder andere versuchen sich auch in der Schriftform.
Dazu habe ich folgende Karte unter den Wischer geklemmt bekommen:
chunky_pizza001
Das ging ja gerade nochmal gut.
chunky = bullig, globig, grob geschnitten (letztes auf Fleisch bezogen)
junky = schrottig
junk = Müll
Allein die Verwechslungsgefahr legt eigentlich nahe, seinen Laden nicht unbedingt „chunky´s pizza“ zu nennen, aber es soll dennoch gut schmecken.

Mash-up! Mashup-Video

Dienstag, 28. April 2009

Die Video-Musik-Collagen kommen. Wir brauchen keine Originale mehr, der Stoff reicht für das nächste Jahrhundert aus.
Man nehme bekannte Musik, verstreute Musiker auf der ganzen Welt und einen Mixer:


Playing For Change | Song Around The World „Stand By Me“ from Concord Music Group on Vimeo

Für mich ist das Mashup-Video eine der eindrucksvollsten Möglichkeiten der vernetzten Welt.

Siehe auch:
Kutiman mit seinem funkigen Mix:

funktioniert auch in der klassischen Musik, z.B. beim virtuellen Sinfonieorchester:

What you see is not what you get

Sonntag, 26. April 2009

lautet das Motto der wunderschönen katholischen Industriestadt Tilburg im Süden der Niederlanden. Wenn eine Stadt mit diesem Slogan für sich Reklame macht, versteht der geneigte Leser sicher, dass ich ihm ein Foto dieser geballten städtebaulichen Pracht erspare.
„What you see is not what you get“ war aber auch das Motto meines spontanen T-Shirt-Kaufs auf dem Markt letzte Woche. Ich schlenderte so durch die Stände, als mir plötzlich ein schönes graues T-Shirt mit Glitzerstein- Beschriftung ins Auge fiel, afgepreist, wie es hierzulande so schön heisst, auf nur 5 EURO. Aufschrift: (in meinen Augen) Dixie-Chicks, eingebettet in ein Herz. Da meine Verlobte Dixie-Chicks-Fan ist, dachte ich, das sei doch eine nette Überraschung, bei unserem nächsten Treffen dieses sexy T-Shirt zu tragen. Gedacht, gekauft.
Bei der Anprobe zuhause musste ich leider feststellen, dass das Shirt für mich doch etwas eng war, darum beschloss ich, es der Verlobten selbst zu verehren. Nun merkte ich jedoch erst, dass da überhaupt nicht Dixie-Chicks draufstand, sondern….
Ich bellte die Verlobte aan und erzählte von Verwechslung und falscher Größeneinschätzung und fragte: „Wat vindt je eigentlijk van de Sugababes?“, weil ich nicht mehr sicher war, ob sie auch diese Band für würdig befand, um sie durch das Tragen eines T-Shirts zu promoten.
Glücklicherweise war das der Fall und ich freute mich darauf, sie am kommenden Wochenende in diesem sexy Out-Fit genießen zu können. (Ist doch eigentlich noch besser als sich selbst ins knappe Leibchen zu zwängen…)
Es wurde Samstag, die Geliebte kam und das T-Shirt fand Gnade vor ihren Augen, allerdings fragte sie beim Lesen der Aufschrift: „En waar maria-tilburg
Denn beim genaueren Hinsehen ergab sich, dass das T-Shirt tatsächlich den Pussy Cat Dolls gewidmet war!
Zum Glück findet mein Schatz auch diese Band fijn (wenn mal sexy Frauen mitsingen…), für mich stellen sich jetzt allerdings mehrere Fragen:
1. Muss ich einen Demenz-Test machen?
2. oder bin ich einfach nur ein bisschen überarbeitet?
3. Achte ich bei Bands, die aus attraktiven Frauen bestehen, so stark aufs Äussere, dass mir gar nicht auffällt, dass sie unterschiedlich heißen und unterschiedliche Musik machen?
4. Wo kann ich ein T-Shirt von den Scissor Sisters kaufen 😉

Mit verwirrten groeten from the lowlands
poppins_kl.gif
Oranje

Sarkozy verletzt Urheberrechte

Donnerstag, 26. Februar 2009


Bei mehreren Veranstaltungen nutzte der Präsident einen Musiktitel der Gruppe MGMT. Dessen Rechte hatte man aber nur für die einmalige Nutzung eingekauft (gulli berichtet).
Nicolas der I. gilt ja als ein Verfechter der „Three-Strikes-Regel“ wonach demjenigen, der mehrfach gegen Urheberrechtsverletzungen verstößt, dauerhaft der Draht ins Internet abgeschnitten wird. Er wird kaum selbst bei seinen Kabeln die Zange ansetzen, er ist nur…„…ein ganz normaler Politiker: Er steht öffentlich für eine Sache, die er privat mit Füßen tritt!“, wie DaOptika in den Kommentaren bei gulli schreibt.
Nun war die Veranstaltung zwar nicht privat, aber wer weiß schon, was sich so ein Präsident in seiner Präsidenten-Suit alles herunterlädt? Und was hat Angie damals noch für den Titel der Stones bezahlt, war es auch 1,25 Euro? Mit diesem lächerlichen Betrag will man die französische Band nämlich abspeisen.

# 65 Umtausch von FF in Euro – geht noch

Sonntag, 08. Februar 2009

flaggezwei_jahre_frankreich
Die Ex-Währung ist in den Köpfen verankert, wenn nicht in den Genen.
Hartnäckig werden hier die französischen Francs (FF)1 hochgehalten. Auf jedem Kassenbon findet sich immer noch der Franc-Betrag ausgedruckt. In manchen Geschäften ist er immer noch größer aufgedruckt als der Euro-Betrag, was mich gelegentlich ins Koma befördert. Die Summe ist dann um das 6.55957 fache höher.
franzoesische_franc
Ja, auch Supermärkte wollen ab und an, daran erinnern, den letzten Franc noch in die neue Währung zu transformieren. Bis zum 31. Januar 09 war das in der Super U Filiale in einer Verkaufsaktion möglich und wieder habe ich es versäumt und schleppe ein paar Centimes weiterhin mit mir herum.
Die Franzosen haben ihre Centimes (zumindest das Wort) behalten, während die Deutschen sich mit dem Euro nicht nur von der Mark, sondern auch vom Pfennig getrennt haben und sofort Schwierigkeiten mit dem „Sent“ oder „Zent“ hatten.
Allerdings wurde das Geld bei dieser Verkaufsaktion nicht an der Kasse, sondern an der Information eingesammelt und in Wertgutscheine umgetauscht.
Wie wäre das, wenn ich im Berliner Lidl mal eine handvoll Pfennige auf die Kasse zähle, so als Happening?
Eine freundliche Verkäuferin würde mich vielleicht an die Bundesbank verweisen, wo man hoffentlich in tausend Jahren noch DMark umtauschen kann.

  1. das ist die Währung, die die in Frankreich hatten, bevor es den Euro gab []

# 64 „Frühling lässt sein blaues Band…“

Freitag, 06. Februar 2009

flaggezwei_jahre_frankreich
…oder Gedichte lernen in der Schule.
Gibt es das noch? Dass deutsche Schüler Gedichte lernen? Das war ja schon zu meinen Zeiten recht ausgedünnt.
Jede Woche wird hier in Frankreich ein neues Gedicht gelernt (Altersstufe der 7-8 Jährigen).
Jeden Donnerstag ist Vortrag (Artikulation und Tempo werden beurteilt, der Titel und der Autor müssen genannt werden). Nur mit der Auswahl der Themen kommt man im Moment etwas durcheinander. Da die Osterglocken, die ich am Sonntag fotografiert habe, am Montag im Schnee versinken, kann man nochmal die Wintergedichte rausholen und die Frühlingsgedichte nochmal wegpacken.
fruehling

# 63 Wasserverbrauch der Europäer im Vergleich

Donnerstag, 05. Februar 2009

flaggezwei_jahre_frankreich
wasserverbrauch_europa001
(Quelle „le petit journal de l´eau“ von Veolia – Wasserversorger in Frankreich)
Wie die Schweizer und Finnländer auf einen solchen Wert kommen, das muss mir mal einer erklären. Vielleicht liegt es an den Schneekanonen oder der Jacuzzi-Dichte?
Die Schweiz freut sich sogar in einer anderen Quelle hier darüber, dass ihr Wasserverbrauch stetig sinken würde und gibt derzeit 400 Liter pro Person und Tag an, also noch mal 150 Liter mehr als in der Tabelle oben! Über Vergleichszahlen läßt sich trefflich streiten. Über eine Zahl nicht: 101000 Liter Wasser hat unsere Familie in einem Jahr verbraucht. Das macht pro Tag und Kopf 55 Liter.
Die Franzosen liegen im Europäischen Mittel, aber es gibt hier ein anderes bemerkenswertes Detail. Bei den Wasserwerten in La Manche findet sich, wie hier beschrieben neuerdings auch die Radioaktivität. Ist der Wert gestiegen?
radioactivite
(Quelle Präfektur de La Manche, Synthèse 2007, Breuville)
Was hatte ich nochmal geschrieben?

Der Wert wird mit “0″ angegeben.
Aber ich möchte wetten, dass demnächst irgendwo hinter den vielen Nullen eine Eins steht, man muss das Volk langsam mit Wahrheiten konfrontieren, die man jahrelang unter Verschluss hielt.

Leider habe ich keine Vergleichswerte für ganz La Manche, wäre doch interessant zu sehen, ob die Mess-Stellen in der Nähe des Reaktors (Flammenville) erhöht sind.
Wer kontrolliert diese Werte überhaupt? Wer überprüft sie? Wer checkt sie gegen?
Frankreich wo sind deine Grünen?

# 62 Wintereinbruch auf Französisch

Dienstag, 03. Februar 2009

flaggezwei_jahre_frankreich
Man ist es einfach nicht gewohnt hier in der Normandie. Seit über 10 Jahren gab es keinen Schnee mehr und nun 20 cm in ein paar Stunden. Autos bleiben massenweise liegen, Räumfahrzeuge gibt es scheinbar nicht und bei uns kommt sowieso keines vorbei. Das Auto kann nicht mal aus dem Hof bewegt werden (nun nicht mehr). Nicht mal die Hauptstraßen sind frei, die N13, Verkehrsader in La Manche wir einfach die ganze Nacht gesperrt -vorsorglich. Der Kühlschrank ist voll und es ist wunderschön draußen:
dsc00387
Winterruhe!

RESERVE

Samstag, 31. Januar 2009

reserve
Heute mal nur ein verwunschenes „RESERVE“ für alle, die etwas zu reservieren haben oder für jene, die etwas in der Reserve haben.

# 61 Panoramafreiheit in Frankreich

Donnerstag, 29. Januar 2009

flaggezwei_jahre_frankreich
Darauf können wir stolz sein: Panoramafreiheit:
auf Sebis Blog finde ich in den Kommentaren folgenden Beitrag von einem „Anonymus“ namens Jo:

in frankreich gilt nicht, die sogenannte panoramafreiheit. man darf also keine tollen gegenstände wie z.b. den eifelturm ablichten und veröffentlichen. zum glück ist das hinter dem stinkenden latschen nur ein modell ! 🙂

Tatsächlich schreibt Wikipedia hierzu:

Die Panoramafreiheit gilt nicht in Frankreich. Daher kann die Stadt Paris für das nächtliche Beleuchtungsdesign des Eiffelturms das Urheberrecht beanspruchen.
Stellt ein geschütztes Objekt nicht das zentrale Bildmotiv dar, kann es allerdings frei abgebildet werden.
Bilder, die nur für persönliche Zwecke gemacht werden, sind erlaubt, solange sie nicht veröffentlicht werden.
Die Nationalversammlung hat am 21. Dezember 2005 davon abgesehen, von der, durch die europäische Richtlinie 2001/29/EG Art. 5 Abs. 3 lit. h eingeräumten Möglichkeit, die Panoramafreiheit einzuführen, Gebrauch zu machen.

Man hat davon abgesehen die (P-)Freiheit einzuführen! Wieder ein Beweis für den Fortbestand der Monarchie und das nicht erst seit King Narkozy?
Das hat auch Vorteile, wenn ich mal kein Geld mehr habe, dann könnte ich Abmahnungen an all die Blogs losschicken, die einen Eiffelturm im Programm haben…

# 60 über Bürokratie in Frankreich

Mittwoch, 28. Januar 2009

flaggezwei_jahre_frankreich

Um euch gleich mal jegliche Illusion zu nehmen: Es ist viel schlimmer!
Frankreich scheint das Ursprungs-Land der Bürokratie zu sein (wer ernsthaftere Probleme hat, dem sei die Internetseite frankreichkontakte.de empfohlen), das weiß man nur auf unserer Seite der Grenze noch nicht so recht.

Beispiel Flohmarkt: Jeder, der auch nur einen Teppich ausrollt, muss seinen Namen, seine Adresse, seinen Beruf, die Nummer seines Passes und den Namen der Katze seiner Großmutter angeben: Warum? Jeder darf nur zwei mal im Jahr flohmarkten. Und das wird anhand der Meldezettel kontrolliert, die der Veranstalter des Flohmarktes ausfüllen läßt.

Beispiel Hausverwaltung:
schreiben004

Nein, die können nicht Rechnen! Es geht schließlich um Bürokratie und nicht um gesunden Menschenverstand. Wer anstatt einmal richtig zu rechnen ein Schreiben verfasst (dieses ist nicht das erste), in dem es am Ende um das Eintreiben von 8 Cent geht, der streicht auch Zettel durch, bevor er sie in den Papierkorb wirft. Die Briefmarken, das Papier, der Textmarker und vor allem die Entlohnung müssen inflationär zusammen geschmurgelt sein, wenn man da noch Gewinn machen will.

Beispiel Wohnungsübergabe: Für läppische 240.- Euro hat der Vermieter einen Advokatsgehilfen (huissier de justice organisiert in der Société Civile Professionelle) angeheuert, um den Zustand des Hauses in einem 26 seitigen bebilderten Bericht (proces verbal de constat) fest zu halten. Ein Butterbrotpapier, auf dem jede Seite bestätigt, dass das Haus neu renoviert und sauber ist, hätte es auch getan.

Beispiel Internetseite .fr: Aus dem Schreiben meines Webpaketdealers:

Grund für den Fehler war der Punkt im Namen der Stadt des Inhabers,
dieser wird von der französischen Vergabestelle nicht zugelassen.

Leute, die aus St. Martin, St. Dennis, St. Etienne, oder St. Moritz kommen, wundern sich, warum ihre Domain nach fünf Tagen noch nicht registriert ist?

Wer nun noch behauptet, die Franzosen seien weniger bürokratisch, dem fehlen die Kerne im Kürbis.
Es ist alles viel schlimmer, einfach schon aus dem Grund, weil man es nicht vermutet. Von wegen „C´est la vie!“ und so.

# 59 Kulinarischer Fächer: vom Saumagen zur Jakobsmuschel

Dienstag, 27. Januar 2009

flaggezwei_jahre_frankreich
Es war ein weiter Weg vom pfälzischen Saumagen, als dessen Botschafter wir uns ausgeben wollten, ohne das Rezept genau zu kennen…
(hier eine Trophäe bei meinem Lieblingsmetzger)
saumagen
… bis hin zum Öffnen und Vorbereiten von Jakobsmuscheln:
Video: Wie trenne ich eine Jakobsmuschel von der Muschelschale
Aber die Gratwanderung funktioniert.
Ehrlicherweise, mit manchen Einschränkungen: was schleimt oder hüpft kommt nicht in den Topf und auch für die Kuddelwurst kann ich mich beim besten Willen nicht ereifern.
Auch die Franzosen haben mit manchem Deutschen Rezept so ihre Probleme. Das fängt schon bei unserem genialen Brot an, das man hier nicht findet – nirgendwo. Es will ja auch keiner.
Es bleibt also bei einem (oberflächlichen) Geschmacksaustausch, der Rest ist wahrscheinlich genetisch geprägt und unabänderlich in den Rezeptoren eingespeichert.

17000 km auf dem Tandem

Freitag, 23. Januar 2009

Es soll durch 17 Länder gehen. 5 Stunden am Tag in die Pedale treten. Mit dem Tandem von Frankreich (nahe Paris) bis hinunter nach Südafrika. Eine Reise, die am Sonntag begann und die 18 Monate dauern soll.
tandem_afric
Adeline und Oliver (24 und 26) haben sich eine lange Reise und Herausforderung vorgenommen. Sie berichten darüber auf der Seite: tandafrika.
Ein Abenteuer. Sicher.
1000 km Sahara warten, ein Minengürtel in Marokko und durch den Sudan kann man nicht: derzeit Kriegsgebiet! Die Reise dokumentiert auch die derzeitige Weltpolitik, das Nord/Südgefälle, das Arm und Reich.
Ich wünsche allzeit gute Fahrt.

# 58 eine neue Begrifflichkeit: französische Härte

Donnerstag, 22. Januar 2009

flaggezwei_jahre_frankreich
Mit zwei Jahren schulen die Franzosen ihre Kurzen ein. Ohne Schultüte! Ohne Eingewöhnungszeit!
Und später?
Heute (es ist Januar, fröstel, hust, röchel) haben sie schwimmen. Im Freibad!
Die sogenannten „deutschen Tugenden“ sind jenseits der Grenze verbreiteter als vermutet.

# 57 Zungenknoten – eine Rheinpfalz Kolumne von Martin Graff

Mittwoch, 21. Januar 2009

flaggezwei_jahre_frankreich
Vorsicht Melange! Man nehme Deutsch und Französisch und rühre gut um:

aus „Die Rheinpfalz“ – Nr. 227
Unser elsässischer Gedankenschmuggler Martin Graff gibt heute eine deutsch-französisch-russische Kusslektion.
Die Entwicklung des Kusses zwischen Franzosen und Deutschen fait l‘objet d‘une étude permanente du modeste Gedankenschmuggler que je suis. Une fois de plus tout a commencé mit de Gaulle und Adenauer, als Charles ohne zu warnen Konrad umarmte und küsste. „Adenauer war sprachlos“, kommentierte Theo Sommer in der „Zeit“.
Wie oft soll man küssen? Qui commence? Les questions fondamentales sont connues. Je répète la leçon: Wenn sich Abgeordnete zum ersten Mal treffen, ist der Zweierkuss angebracht, der Viererkuss signalera lors de rencontres ultérieures une amitié naissante. Quant au Dreierkuss, je ne cesse de prévenir les députés sur son ambivalence, da man eine erotische Herausforderung aus dem baiser à trois temps heraus lesen kann.
L‘arrivée d‘Angela Merkel au pouvoir risque de tout changer. Ich stelle fest, dass Jacques Chirac sich rasend entwickelt und befürchte un dérapage prochain. Beim ersten Treffen gab es pour Angela un baise main, also einen Handkuss. Lors de la dernière rencontre de Jacques avec Angela, in Paris, en présence de Wladimir, le Président français a franchi une nouvelle étape. Bei der Ankunft der Kanzlerin erlaubte sich
Jacques den schon üblichen Handkuss, setzte aber einen drauf mit einem Zweierkuss, der Angela visiblement verzauberte. Après la réunion, Jacques se sépara d‘Angela avec un nouveau baise main, un Zweierkuss et hop, juste avant qu‘elle ne disparaisse dans la limousine, encore un Handkuss. J‘ai surtout peur d‘une chose: dass ein Berater ihm vom baiser à la russe erzählt, le bouche à bouche bien connu au pays de Wladimir.
Ich darf gar nicht aux conséquences denken: Handkuss, Zweierkuss, Handkuss, Mundkuss. Alte Männer haben sich bekanntlich nicht immer im Griff … Pire encore, les députés français imitent leur Président und beginnen, die deutschen Abgeordneten kreuz und quer auf den Mund zu küssen! Ensuite les députés sont imités par les citoyens et embrassent sur la bouche la première femme allemande, die ihnen über den Weg läuft! C‘est la bataille … du Kuss.

Leider landet man, wenn man „Zungenknoten Rheinpfalz“ bei google eingibt nicht auf der Seite der Zeitung und bekommt dann die Kolumne vorgestellt, sondern man findet ein paar verstreute Notizen. Schade, ich bin schließlich Sammler. Wegen eines Artikels, werde ich aber keine Zeitung abonieren! So, da sind wir dann bei den Vorteilen der digitalen Welt: Selektion. Im Darwin-Jahr sollte das bekannt sein
Auch wenn man nach dem Autoren „Martin Graff“ sucht, bekommt man auf den ersten 5 Seiten bei der Google-Suche nicht einen Hinweis auf die Rheinpfalz. Wieso?
Selbst auf der Internetseite der Rheinpfalz bekommt man weder zu „Martin Graff“, noch zu „Zungenknoten“ einen Eintrag. Wie kann man das Potenzial einer (digital ausgewerteten) Kolumne so wenig für sich nutzen wollen?

Noch ein Zungenknoten als Nachschlag:

Klicken zum vergrößern.
rpf_artikel001

# 56 Grand Cru Classé Club

Dienstag, 20. Januar 2009

flaggezwei_jahre_frankreich
Neulich im Supermarkt, schleiche ich wieder an diesem Schaufensterchen (s.u.) vorbei. Und? Nix da Krise. Die Preise steigen!
Die Reichen werden scheinbar – volksmusikalisch betrachtet – immer reicher. Russen kaufen kistenweise Champagner hier in Frankreich: den Roten für 200.-Euro die Flasche!
Man muss einfach Optimist bleiben, deshalb werde ich nach meiner Rückkehr diesen Club ins Leben rufen:
grancruclasseclub1
Nur drei Mitglieder sind zugelassen. Ein Treffen und ein Fläschchen pro Woche.
Viel später, wenn ich mal groß bin, dann wird es nicht mehr um 20 Euro pro Flasche gehen, sondern dann lasse ich mir das Schränkchen (eigentlich ein eigener Keller im SuperU) aufschließen und werde mir diese Flaschen mal genauer anschauen:
chateau_au_latour

chateau latour 1918

chateau latour 1918 schlappe 3 Riesen


Ob sie wirklich so gut schmecken, wie sie teuer sind? Jetzt muss man an der Kasse nur noch ganz stark sein.

# 55 Der französische Bastler: das Höllenmofa

Montag, 19. Januar 2009

flaggezwei_jahre_frankreich
Auch der Franzose bastelt gerne. Seine Erfindungen sind allerdings nicht immer TÜV geprüft.


Mobylette électrique
par envoiedugros

# 54 La Gallette des Rois – der Königskuchen

Sonntag, 18. Januar 2009

flaggezwei_jahre_frankreich
Wieder so ein Brauchtum, bei dem es ums Essen geht.
Eigentlich am 6. Januar (Heilige Drei Könige) angesiedelt, reichen nun die Einladungen für den „Galette des Rois“ bis in den Februar hinein.
galette
Die Tradition soll an die Geschenke erinnern, die die Drei Könige dem Jesulein mitgebracht haben.
Der Kuchen spielt die Nebenrolle, klassischerweise mit Marzipanfüllung und von Blätterteig ummantelt, mit unendlich vielen Kalorien. Darin versteckt sich die Hauptperson, eine kleine Porzellanfigur. Diese wird jedes Jahr neu in ganzen Kollektionsreihen in den Kuchen hineingebacken.
Pro Kuchen gibt es nur eine oder zwei Figürchen (une petite fève). Zusammen mit dem Kuchen werden auch Pappkronen beim Bäcker oder im Supermarkt verschenkt.
Wer die Figur findet, ist schließlich Königin oder König für einen Tag und trägt die Krone.
Die unterschiedlichen Motive der Figuren animieren zum Sammeln und so kommt es vor, dass man auf französischen Flohmärkten die Figuren gar waschkörbeweise findet.
feves