Zwei Jahre Frankreich # 35 Eunuchen und Lolitas
Samstag, 26. Juli 2008
Wenn man nur ein Stunde französisches Radio hört, am besten ein Wald-und-Wiesen-Sender, dann kräuselt sich nach kurzer Zeit die Stirn, die Gänsehaut wölbt sich bedenklich und die Zähne fangen an zu klappern.
Ja, die Stimmen! Die Stimmen sind das Problem. Über die Musik reden wir gleich.
Die Männer scheinen hier als Sänger nur ernst genommen zu werden, wenn sie vor dem Stimmbruch ihre Männlichkeit opfern, die Frauen nur, wenn sie klingen als seien sie 15 und hätten gerade die Vorteile des Vibrationsalarms entdeckt.
Ja, die Musik!
Das stelle ich mir so vor.
Zwei, vielleicht drei Studiomusiker in Paris regieren die Szene: immer, wenn sie zuviel gekifft haben, holen sie ihre Instrumente raus und dudeln wild einen Haufen (drei) Akkorde zusammen, während die Aufnahme läuft. Am Ende kommt immer das gleiche Stück raus, man muss nur noch einen Eunuchen oder eine Lolita aus der umfangreichen Kartei anrufen, die dann den schnell hingeworfenen Text (“Sea, Sex and Sun”) ins Micro stöhnt und fertig ist die nächste Dachgeschosswohnung!
Durch die Quote (die französischen Radiosender müssen seit 1996 schon 40 % eigene Herstellung spielen, sonst drohen hohe Geldstrafen, bis hin zum Lizenzentzug) wird der Kram todsicher gespielt!
Was passiert? Die Jugend will nicht immer die Musik gemacht von alten französischen Säcken hören und stürzt sich auf TokioHotel.



Die französische Jugend will Deutsch lernen, um die Texte zu verstehen und die Eltern gruseln sich vor dem LeichenOutfit von Bill. Schön, dass die französische Jugend dazu auch deutschsprachige Musik zurückgreift, weil die Identifikation mit französischer Musik kaum erstrebenswert scheint.
Wenn man nun in Deutschland so eine Quote einführen würde, dann würden wir bald nur noch Wolf, Udo, Marius, Herbert und die Humpes im Radio hören. Wer will das schon?























