Artikel mit ‘französisch’ getagged

# 57 Zungenknoten – eine Rheinpfalz Kolumne von Martin Graff

Mittwoch, 21. Januar 2009

flaggezwei_jahre_frankreich
Vorsicht Melange! Man nehme Deutsch und Französisch und rühre gut um:

aus „Die Rheinpfalz“ – Nr. 227
Unser elsässischer Gedankenschmuggler Martin Graff gibt heute eine deutsch-französisch-russische Kusslektion.
Die Entwicklung des Kusses zwischen Franzosen und Deutschen fait l‘objet d‘une étude permanente du modeste Gedankenschmuggler que je suis. Une fois de plus tout a commencé mit de Gaulle und Adenauer, als Charles ohne zu warnen Konrad umarmte und küsste. „Adenauer war sprachlos“, kommentierte Theo Sommer in der „Zeit“.
Wie oft soll man küssen? Qui commence? Les questions fondamentales sont connues. Je répète la leçon: Wenn sich Abgeordnete zum ersten Mal treffen, ist der Zweierkuss angebracht, der Viererkuss signalera lors de rencontres ultérieures une amitié naissante. Quant au Dreierkuss, je ne cesse de prévenir les députés sur son ambivalence, da man eine erotische Herausforderung aus dem baiser à trois temps heraus lesen kann.
L‘arrivée d‘Angela Merkel au pouvoir risque de tout changer. Ich stelle fest, dass Jacques Chirac sich rasend entwickelt und befürchte un dérapage prochain. Beim ersten Treffen gab es pour Angela un baise main, also einen Handkuss. Lors de la dernière rencontre de Jacques avec Angela, in Paris, en présence de Wladimir, le Président français a franchi une nouvelle étape. Bei der Ankunft der Kanzlerin erlaubte sich
Jacques den schon üblichen Handkuss, setzte aber einen drauf mit einem Zweierkuss, der Angela visiblement verzauberte. Après la réunion, Jacques se sépara d‘Angela avec un nouveau baise main, un Zweierkuss et hop, juste avant qu‘elle ne disparaisse dans la limousine, encore un Handkuss. J‘ai surtout peur d‘une chose: dass ein Berater ihm vom baiser à la russe erzählt, le bouche à bouche bien connu au pays de Wladimir.
Ich darf gar nicht aux conséquences denken: Handkuss, Zweierkuss, Handkuss, Mundkuss. Alte Männer haben sich bekanntlich nicht immer im Griff … Pire encore, les députés français imitent leur Président und beginnen, die deutschen Abgeordneten kreuz und quer auf den Mund zu küssen! Ensuite les députés sont imités par les citoyens et embrassent sur la bouche la première femme allemande, die ihnen über den Weg läuft! C‘est la bataille … du Kuss.

Leider landet man, wenn man „Zungenknoten Rheinpfalz“ bei google eingibt nicht auf der Seite der Zeitung und bekommt dann die Kolumne vorgestellt, sondern man findet ein paar verstreute Notizen. Schade, ich bin schließlich Sammler. Wegen eines Artikels, werde ich aber keine Zeitung abonieren! So, da sind wir dann bei den Vorteilen der digitalen Welt: Selektion. Im Darwin-Jahr sollte das bekannt sein
Auch wenn man nach dem Autoren „Martin Graff“ sucht, bekommt man auf den ersten 5 Seiten bei der Google-Suche nicht einen Hinweis auf die Rheinpfalz. Wieso?
Selbst auf der Internetseite der Rheinpfalz bekommt man weder zu „Martin Graff“, noch zu „Zungenknoten“ einen Eintrag. Wie kann man das Potenzial einer (digital ausgewerteten) Kolumne so wenig für sich nutzen wollen?

Noch ein Zungenknoten als Nachschlag:

Klicken zum vergrößern.
rpf_artikel001

# 40 Zahlenzauber, Speckröllchenaffäre und Zensur

Freitag, 10. Oktober 2008


Französisch für Fortgeschrittene 1. Teil.
Die Gruppe „advanced“ setzt sich aus Linda, Barbara, David, unserem Prof und mir höchstselbst zusammen, macht also 5.
Wir lernen zunächst 17 französische „expressions“1 kennen, die sich aus Zahlen und Zahlworten zusammensetzen.
Mir fällt sofort ein, dass 17 und 5 = 23 ergibt und das ist die Zahl der Illuminaten. Dazu gleich.
Beispiel:
Couper les cheveux en quatre.2
Während also der Deutsche und auch der Engländer Haare nur spaltet3, werden sie vom Franzosen sogar geVierteilt.
Unser Prof ist gut drauf und kommt in Fahrt, er erklärt mir, dass mein Autoschlüssel typisch Deutsch sei, ein Schlüssel, im Schlüssel im Schlüssel und überhaupt, Sarko würde Drogen nehmen.
Steigt nach einem Interkontinentalflug aus der Maschine und stellt sich vor die Kameras, als ob das nichts wäre, während seine Gliedmaßen unkontrolliert herumfuchteln (siehe Stäuber) und dieses überlegene arrogante Kokserlächeln dazu.
Welcher normale Mensch kann schon nur mit 4 Stunden Schlaf auskommen.
Die Engländer im Kurs werfen Maggi Thatcher ein, dem Prof fällt noch Napoleon ein und da sind sie dann also die schlaflosen Illuminaten, 3 an der Zahl, eine Trinität, die den Kurs fest im Griff haben. Sarko, Maggi und Napoleon.

Außerdem kann Sarko nicht mal Französisch (was will man auch erwarten, von einem Ausländer in 2. Generation), er würde die Verneinung jedes mal versemmeln und das „ne“, welches man uns allen eingebläut hat, glatt vergessen.
Dies finde ich nun wieder typisch Französisch, da man das nur auf der Strasse sagt, nie aber im Fernsehen sagen würde: Sarko ein Sprachversager!
Was man mit Autoritäten macht, das können die Franzosen nur von den Deutschen oder noch besser von den Engländern in einer Neuauflage von „splitting image“ lernen (leider nur im Bezahlfernsehen auf Canal +).

Man muss neuerdings Angst haben, dass der kleine Kokser-König Sarko Köpfe rollen lässt4 , um seine Interessen durchzusetzen. Man stelle sich mal vor, Angela Merkel würde einen namhaften Chefredakteur feuern lassen, wegen eines Berichtes, an dem alles stimmt!
Sei alles schon vorgekommen in Frankreich, flüstert man mir zu und plötzlich gehen wir nahtlos zur nächsten Redewendung über, vielleicht wird mitgehört:
Se mettre sur son trente et un.5
Hört sich ein wenig so an, wie „auf den Hosenboden setzen“, das ist aber der Holzweg.
Aufbrezeln! würden wir sagen.
Da reicht bei uns ein Wort, wo der Franzose eine halbe Seite für braucht.

  1. Redewendungen []
  2. wörtlich: Haare in vier spalten []
  3. to split hairs []
  4. „Weitaus gravierender war der Eingriff in die Pressefreiheit, dem sich Lagardère im Sommer 2006 widerstandslos unterwarf. Paris Match berichtete damals in einer Titel-Geschichte über die Liebesaffäre von Sarkozys damaliger Frau Cécilia mit einem anderen Mann. Alles daran stimmte, das Gerücht kursierte sei längerem, Match brachte als erstes Medium das Foto des neuen Paars. Sarkozy veranlasste daraufhin die Entlassung des Chefredakteurs Alain Genestar. Wie dieser in einem im Sommer 2008 veröffentlichten Buch schreibt, telefonierte Sarkozy zunächst mit Herausgeber Lagardère und beschimpfte danach ihn am Telefon »ohne Punkt und Komma«. Am Ende des Anrufs habe er zitternd dagestanden, schreibt Genestar in dem Buch »Expulsion« (Rauswurf).“ zitiert aus dem Bericht der DGAP []
  5. wörtlich: sich auf den 32. bringen []