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Hummerzucht – früher und heute

Dienstag, 03. März 2009

Vom Größenwahn geritten, beschäftige ich mich gerne mit einem krisensicheren Unternehmen: der eigenen Hummerzucht. Aber ich muss feststellen, nichts ist vergänglicher als digitale Links. Platzierte ich hier (in einem früheren Artikel über den Song „Demolition Lobster“) gleich drei Links zu Hummerzucht und Hummerfang, so sind diese nur kurze Zeit später ALLE nicht mehr gültig.
demolitionlobster
Da lobe ich mir doch ein altes Buch, eine Schwarte von 1919, in der man auch in Hundert Jahren noch blättern kann.
In der „Zeitschrift für technische Biologie“ aus dem Jahre 1919 findet sich ein Artikel von Albrecht Hase in dem er schreibt:

„Weitere eminent wichtige Aufgaben aus der wasserwirtschaftlichen
Zoologie, wie: die Frage der Zucht von marinen Fischen, von Austern, Mießmuscheln , Klaff muscheln , die Frage der Hummerzucht, die Frage nach der Nutzbarmachung von Plankton usw. usw. werden meines Erachtens nur dann in befriedigender Weise zu lösen sein, wenn man mit technischem Denken an sie herantritt.“

Herr Hase hatte Recht. Die Hummerzucht ist ohne technisches Denken zum kläglichen Scheitern verurteilt. Sie ist aufwendig und nicht jeder Tümpel taugt dazu.
In der wissenschaftlichen Arbeit „Berichte zur Polar- und Meeresforschung, 412“ aus dem Jahr 2002 von Bela Hieronymus Buck finde ich folgenden aufschlussreichen Text.

„Projekte und Studien mit Kandidaten:
Crustaceen
Der Hummer Homarus americanus, der entlang der Ostküste der USA unter einem intensiven Fischereidruck steht, soll zur Sicherung des Hummerbestandes in die marine Aquakulturzucht aufgenommen werden (GOLDSTEIN, 1998). Versuche, Hummer zu kultivieren, gab es schon seit dem Jahre 1880 (ADDISON & BANNISTER, 1994). Ab 1885 wurden sie dann auch erfolgreich gezüchtet (RATHBUN, 1986).
In St. Andrews, New Brunswick/Kanada, gibt es seit 1974 die erste Hummerzucht. Jedoch wird die Hummerzucht mit großem Aufwand betrieben. Es sind unterschiedliche Aufzuchtssysteme, wie Kreiseltanks für Larven und Zuchtkästen (condo trays) für Juvenile, erforderlich. Hälterungsbecken müssen unterschiedliche Temperaturen haben, 8-10°C für trächtige Weibchen und 18°C für das Aufwachsen der Larven und der juvenilen Hummer. Weibchen aus Wildfängen durchlaufen einen längeren Gesundheits-Check und verbleiben einige Wochen in Quarantäne, bevor sie in der Zucht verwendet werden.“

Und weiter:

„Hummer
Die U.S. Fisheries Commission begann Ende des 19. Jahrhunderts mit der
Produktion von Hummerlarven, um den Nachschub an Hummern als Nahrungsmittel bzw. für Restocking-Projekte zu sichern, doch große Erfolge blieben aus. Auch in Europa (Norwegen, Schweden, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Niederlande, England) wurden Hummerkulturen erprobt, blieben allerdings ähnlich erfolglos wie in den USA (BARDACH et al., 1972). Nachfolgend wird am Beispiel der Hummerzucht auf Helgoland (Biologische Anstalt Helgoland [BAH], AWI) das arbeitsintensive Verfahren näher erläutert, welches die geringen Kapazitäten an marktfähigen Hummern verdeutlicht. In der BAH erden seit vielen Jahren Hummer gezüchtet. Die Larven stammen von eiertragenden Weibchen, die der Station von den Fischern überlassen werden.
Der Hummerfang ist zwar gestattet, jedoch gibt es gesetzliche Auflagen und die Übereinkunft, trächtige Weibchen für Zuchtzwecke abzugeben. Da die Hummerfischer auch aus Eigeninteresse handeln, ist so der Nachschub an Eiern gesichert. Die Hummerzucht ist sehr arbeitsintensiv und erfordert einen mehrjährigen Aufwand (JANKE, pers. Komm.). Die Embryonalentwicklung dauert von der Paarung an 1-2 Jahre. Nach dem Schlüpfen beginnt die pelagische Larvalphase, die sich über vier Stadien weiter bis zum Junghummer entwickelt. Dieser Prozeß kann je nach Temperatur unterschiedlich lange dauern: bei 10°C ca. 100 Tage, bei 18°C ca. 4 Wochen (MEHRTENS, pers. Komm). Bei höheren Temperaturen
können sich die Tiere zwei mal pro Jahr häuten (BARDACH et al., 1972).
Daher wird in der Station auf Helgoland das benutzte Wasser erwärmt, was einen hohen technischen Einsatz und weitere Kosten erfordert.
Bei Erreichen des Stadiums IV haben die Tiere eine Größe von etwa 8 mm (Carapax-Länge) und müssen einzeln gehalten werden, da sie kannibalistisch sind und sich gegenseitig anfallen und verletzen könnten (in der freien Natur gehen sie sich aus dem Weg). Folglich braucht jeder Hummer ein eigenes Gehege mit Versteckmöglichkeiten. Größere Hummer könnten gemeinsam in Gehegen gehalten werden, wenn man ihre Scheren zubindet. Während der Häutungsphase müssen die Hummer allerdings wieder einzeln gehalten werden.
Bei der geringen Wachstumsrate erreichen die Hummer nach ca. 4-5 Jahren (temperaturabhängig) ihre Mindestgröße und wiegen etwa 500 g. Zu diesem Zeitpunkt würden sie auf Helgoland einen Marktwert von etwa 50 DM haben (MEHRTENS, pers. Komm.). Ein Hummer aus Wildbeständen erreicht seine Marktreife erst nach 10 Jahren, was wahrscheinlich mit den geringen Temperaturen in der Nordsee zusammenhängt (JANKE, pers. Komm.).
Die adulten Hummer werden im Sommer 2-3 mal wöchentlich mit Fisch, Garnelen oder Strandkrabben gefüttert, im Winter nur 1-2 mal in der Woche. Juvenile Hummer erhalten 2 mal wöchentlich Asseln. BARDACH et al. (1972) schlägt im Sommer eine tägliche, im Winter eine wöchentliche Fütterung vor. So werden zwar pro kg Hummerfleisch 8 kg Futter benötigt, dafür ist der Hummer aber schon nach 4 Jahren marktfähig. Extra entwickelte Futterpellets reduzieren die Futtermenge und sind erfolgreicher. Da Hummer nachtaktiv sind, können Futterreste am Tage entfernt werden. Weiterhin brauchen die Hummer in den Anlagen an Land ein großes Durchlaufsystem mit hoher Durchflußrate. Das Wasser muß gefiltert und temperiert werden.
Nach einer gewissen Abwachsphase (in der Regel ein Jahr; Größe 1-2 cm;
markiert) werden auf Helgoland jedoch die Hummer wieder ins Meer entlassen. Es handelt sich hierbei also um ein reines Restocking-Programm. Würden die Hummer in einer Offshore-Farm in Käfigen gehalten, müßten die Hummer in regelmäßigen Abständen gefüttert werden, was die Zucht zu einer intensiven Aquakultur machen würde. In den Offshore-Parks ausgesetzte Hummer müßten am Verlassen des Gebietes gehindert werden, denn Hummer können einige Kilometer pro Nacht wandern. REISE (pers. Komm.) empfiehlt, den Hummern Schutz zu bieten, indem künstliche Unterschlupmöglichkeiten aus Autoreifen, Wellblechdächer u.v.m. geschaffen werden. Die Firma HYDROM Environnement aus Frankreich konstruierte für das Projekt „Artificial Reefs Deployment: Offshore Wind Turbines“ künstliche Riffe. Für den Hummerunterschlupf wurde der KHÈOPS® entworfen und befindet sich in der Testphase (LEFÉVRE, pers. Komm.). Die Hummer würden durch das Angebot an künstlichem Hartsubstrat das Gelände aufgrund umliegender Weichböden nicht so schnell verlassen. Über traditionelle Techniken können dann die Hummer später wieder abgefischt werden. Die Nachfrage für Hummer ist seit Jahren ungebrochen vorhanden, das heißt, der Absatz wäre garantiert.“

Das Fernsehen und seine Berichte dazu kann man vergessen. Spätestens nach ein paar Jahren fallen sämtliche Bänder in die Totenstarre:
Am Freitag, den 29. Juni 2007, gab es im BR eine Sendung „Faszination Wissen“ (13.30-14.15), in der von einer Hummerzucht vor Helgoland berichtet wurde. Nach dem Text oben zu Urteilen handelt es sich wohl um die beschriebene Forschungsstation: Biologische Anstalt Helgoland [BAH], AWI.
Der Bericht über die Thüringer Hummerzucht aus 1995 scheint komplett verschwunden. Es verweisen nur noch ein paar digitale Restspuren auf ihn, meiner Erinnerung nach, war es wohl tatsächlich ein Versuch Hummer kommerziell zu züchten. Es bleibt in Deutschland meine einzige Spur. Nicht, dass ich es unbedingt versuchen wollte, aber die Typen hätte ich gerne mal kennengelernt, die heute irgendwo eine Thüringer verputzen und davon schwafeln, dass sie mal eine Hummerzucht ihr Eigen nannten…

Hummer-Sammlung

Sonntag, 11. Januar 2009

Meine Hummer-Sammlung hat Nachwuchs bekommen.
Die Ausstechform vor Weihnachten war schon der Hit.
hummer_ausstechform
Nun aber gibt es auch einen Hummer-Anhänger für den Weihnachtsbaum.
Hummer als Christbaumschmuck
Isser nicht süß?