Artikel mit ‘Frankreich’ getagged

# 56 Grand Cru Classé Club

Dienstag, 20. Januar 2009

flaggezwei_jahre_frankreich
Neulich im Supermarkt, schleiche ich wieder an diesem Schaufensterchen (s.u.) vorbei. Und? Nix da Krise. Die Preise steigen!
Die Reichen werden scheinbar – volksmusikalisch betrachtet – immer reicher. Russen kaufen kistenweise Champagner hier in Frankreich: den Roten für 200.-Euro die Flasche!
Man muss einfach Optimist bleiben, deshalb werde ich nach meiner Rückkehr diesen Club ins Leben rufen:
grancruclasseclub1
Nur drei Mitglieder sind zugelassen. Ein Treffen und ein Fläschchen pro Woche.
Viel später, wenn ich mal groß bin, dann wird es nicht mehr um 20 Euro pro Flasche gehen, sondern dann lasse ich mir das Schränkchen (eigentlich ein eigener Keller im SuperU) aufschließen und werde mir diese Flaschen mal genauer anschauen:
chateau_au_latour

chateau latour 1918

chateau latour 1918 schlappe 3 Riesen


Ob sie wirklich so gut schmecken, wie sie teuer sind? Jetzt muss man an der Kasse nur noch ganz stark sein.

# 55 Der französische Bastler: das Höllenmofa

Montag, 19. Januar 2009

flaggezwei_jahre_frankreich
Auch der Franzose bastelt gerne. Seine Erfindungen sind allerdings nicht immer TÜV geprüft.


Mobylette électrique
par envoiedugros

# 54 La Gallette des Rois – der Königskuchen

Sonntag, 18. Januar 2009

flaggezwei_jahre_frankreich
Wieder so ein Brauchtum, bei dem es ums Essen geht.
Eigentlich am 6. Januar (Heilige Drei Könige) angesiedelt, reichen nun die Einladungen für den „Galette des Rois“ bis in den Februar hinein.
galette
Die Tradition soll an die Geschenke erinnern, die die Drei Könige dem Jesulein mitgebracht haben.
Der Kuchen spielt die Nebenrolle, klassischerweise mit Marzipanfüllung und von Blätterteig ummantelt, mit unendlich vielen Kalorien. Darin versteckt sich die Hauptperson, eine kleine Porzellanfigur. Diese wird jedes Jahr neu in ganzen Kollektionsreihen in den Kuchen hineingebacken.
Pro Kuchen gibt es nur eine oder zwei Figürchen (une petite fève). Zusammen mit dem Kuchen werden auch Pappkronen beim Bäcker oder im Supermarkt verschenkt.
Wer die Figur findet, ist schließlich Königin oder König für einen Tag und trägt die Krone.
Die unterschiedlichen Motive der Figuren animieren zum Sammeln und so kommt es vor, dass man auf französischen Flohmärkten die Figuren gar waschkörbeweise findet.
feves

# 53 Karambolage

Samstag, 17. Januar 2009

flaggezwei_jahre_frankreich
Karambolage! Manchmal ist es schon ein Aufeinanderprallen der Nationen. Hier ist aber der Name der Sendung gemeint, die die großen und kleinen Unterschiede zwischen den Franzosen und den Deutschen aufklärt: Arte vom Feinsten, jeden Samstag um 19 Uhr:
Am Sonntag dann um 20 Uhr wird im Blog von Karambolage das Sonntagsrätsel vorgestellt:
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Wo sind wir? In Deutschland oder in Frankreich? Und was ist das Indiz?, wurde z.B. vor 14 Tagen gefragt
Die gesammelten Antworten sind etwas schräg:

– In Frankreich, denn in Deutschland gibt es keine Behindertentoiletten.

– Ich denke, die Aufnahme wurde in Deutschland gemacht, denn man sieht türkische Toiletten und es gibt mehr Türken in Deutschland als in Frankreich.

– In Deutschland, denn die Frau ist rundlich und blond.

– In Frankreich, denn die Behindertentoiletten sind in Frankreich bei den Frauen.

– In Deutschland, denn hinter der Frau hängt ein Schild, das zu lang ist, um französisch zu sein.

– Die Aufnahme wurde in Frankreich gedreht. Es herscht in dieser öffentlichen Toilette eine sehr französische Atmosphäre. Man erkennt vor allem das Geräusch des Wasserhahns, sehr typisch.

Und zum Abschluss eine sehr hübsche, aber richtige Antwort:

– In Frankreich ! Die türkischen Toiletten ohne Becken ! Ich komme aus Barcelona und das ist das Erste, was meine kleine Tochter in einem französischen Restaurant bemerkte : „Komm, komm schnell, jemand hat die Toilette gestohlen!!!“

Die Deutschen wiederum haben alle das Indiz entdeckt, denn in Deutschland gibt es diese Art Toiletten, die die Franzosen „toilettes turques“ nennen, nicht. Aus dem selben Grund kennen die Deutschen aber auch das Wort dafür nicht ! Sie nennen die Sache ganz erfindungsreich Urinal im Boden, Plupsklo, Hocktoilette, Damenplumpsklo, Stehklo, Stehklo für Frauen oder ganz schlicht und einfach : WC-Loch.

Die Meinungen, eine Karambolage.

# 52 Feiertage in Frankreich

Freitag, 16. Januar 2009

flaggezwei_jahre_frankreich
Es gibt 11 Feiertage in Frankreich:
– 1. Januar: (seit 1811)
– Ostermontag
– 1. Mai: „Der Tag der Arbeit“
– 8. Mai: Der Sieg der Alliierten über die Nazis
– „L´Ascension“ – Christi Himmelfahrt
– Pfingstmontag: „Lundi de Pentecôte“ (Christi Auferstehung)
– 14. Juli: Nationalfeiertag
– 15. August: „L´Assomption“
– 1. November: Fronleichnam „La Toussaint“
– 11. November: Das Ende des 1. Weltkrieges 1918
– 25. Dezember; Weihnachten.
Der Franzose glaubt, dass das Christkind am 25. Dezember Geburtstag hat! Manchmal sind die deutschen den Franzosen einen Tag voraus.

51 # Sylvester in Frankreich, zwischen Idylle und Sylvester-Pyromanie

Mittwoch, 14. Januar 2009

flaggezwei_jahre_frankreich
Konfetti, Luftschlangen und Tröten, ein wenig erinnert die Dekoration, die man allerorts kaufen kann, an Karneval für Arme. Reichen (das ist international) fliehen in die Schweiz. Sarkozy feierte in Crans-Montana im Kanton Wallis.
Während man Weihnachten in der Familie feiert, werden an Sylvester (fête d´an) die Freude eingeladen. Das ist dann ein großes Rambazamba oder ein unter Vier-Augen-Zusammensein, je nach dem.
Es gibt kein großartiges privates Feuerwerk, obwohl man einiges kaufen kann (meist sogar das ganze Jahr hindurch). Jedoch nur bestimmte Kategorien, andere sind verboten.
Feuerwerk gibt es nur so richtig am Nationalfeiertag (14.7.). Eine Böllerschlacht mit Nachbarn oder Fußgängern scheint mir undenkbar. Von wegen! Das ist nur auf dem Land so. Mehr als Tausend Autos sollen in der Neujahrsnacht in den großen Städten gebrannt haben, der Tagesspiegel spricht von Sylvester-Pyromanen.
Kein Bleigießen, keine Neujahrsbrezel oder Pfannkuchen in der Neujahrsnacht, diese deutschen (regionalen) Traditionen kennt man leider nicht, so muss dieses Jahr ohne Blei-Figur beginnen. Schade!

La Gazette de Berlin

Montag, 12. Januar 2009

Das es diese Französische Zeitung (La Gazette de Berlin) in der Hauptstadt gibt, das macht das Heimkommen leichter:

Am 1.Juni 2006 erscheint die erste Ausgabe von „La Gazette de Berlin“, einer Zeitung, die sich als eine Mischung aus Wirtschaftsblatt, Lifestylemagazin und Kiezzeitung präsentiert. Erfahrene Journalisten aus vier verschiedenen Ländern haben in Berlin für die unterschiedlichen frankophonen Leserkreise einen bunten Themenmix zubereitet. In dem 16seitigen Blatt finden sich Berichte über wirtschaftliche, kulturelle, historische und sportliche Ereignisse sowie ein Dossier zu einem aktuellen Thema.

# 49 Voila Monsieur le president, der Ankläger

Freitag, 09. Januar 2009

flaggezwei_jahre_frankreich
Wenn ER das sieht, dann wird er bestimmt seinen Rechtsberater anrufen:
Sarkozy Eistanz
Der Hengst als Eisprinzessin?
Sarkozy und seine Frau Carla Bruni klagen ja gerne mal, wenn sie in der Öffentlichkeit auftauchen, ohne gefragt worden zu sein. Der SMS-Skandal, die Werbung der Ryanair, die 1-Euro-Klage aus 2005 gegen die Schweizer Zeitung „Le Matin“ sind einige Beispiele. Hoffentlich hat der Fernsehsender ntv bei seiner Anzeige oben nachgefragt, ob das ok geht.
Monsieur le President klagte zum Beispiel auch gegen den Voodoo-Puppen-Bausatz (in 2. Instanz verloren):
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Man kann auf der zu nadelnden Puppe folgende Aufdrucke finden:
„Mehr arbeiten, um mehr zu verdienen“ (sein ewiges Gerede von den Deutschen als Vorbild)
„Gesindel“ (der Vorwurf an die Vorstadt-Jugendlichen)
„Hau ab, Du Blödmann“ (gegenüber einem Besucher der Pariser Agrarmesse, der ihm nicht die Hand schütteln wollte).
Carla Bruni klagte wegen einer Handtasche, auf der sie nackt zu sehen ist (ein Foto aus Zeiten ihrer Modellkarriere). Prozess gewonnen. Die 40 Tausend Penunzen sollen gespendet werden.
Angela Merkel klagt, wegen der Krise, aber klagt sie auch sonst?
Nein, in Deutschland wird auch mal die Kanzlerin angeklagt.
Mir wäre eine Klage gegen eine Handtasche mit ihrem nackten Porträt nicht unsympathisch, ich würde mir diese Tasche schnell kaufen, bevor sie aus dem Verkehr gezogen wird.
Die Ex des Präsidenten Cécilia Sarkozy wird in einem Buch mit den Worten zitiert: Sarkozy sei „billig, lächerlich und ein Frauenheld“. Dagegen klagte er nicht.

Sarkozy streicht die Werbung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen

Dienstag, 06. Januar 2009

flaggezwei_jahre_frankreich
Das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Frankreich soll eine Qualität wie BBC haben, am liebsten bald und ohne Werbung.
Eine Meldung auf ntv geht davon ausgeht, dass diese Reform ohne Steuererhöhung nicht auskommen wird.
Eine neue Steuer, soll Internetprovider und Handytarife, sowie die privaten Fernsehsender „geringfügig“ belasten. Die Privaten, die von der Regelung am meisten profitieren, sollen für das Qualitätsfernsehen der anderen zahlen und den Werbeausfall der staatlichen Sender kompensieren.
Sarkozy „bedient“ damit ganz nebenbei wieder einen seiner Freunde, den Chef des Privatsenders TF1 Martin Bouygues (Trauzeuge und Taufpate einer seiner Söhne).
Werbung wird zunächst auf den beiden staatlichen Sendern ab 20 Uhr verboten, von 2011 an soll es gar keine Werbung mehr im Staatsfernsehen geben.
800 Milliarden Euro jährlich weniger, da fürchtet manch ein Redakteur, dass er in Zukunft nicht Qualitätsfernsehen, sondern Qualfernsehen machen muss.

Kritiker werfen Sarkozy vor, er habe die Neuregelung in erster Linie deswegen vorangetrieben, um den Privatsendern Gutes zu tun. Bouygues wehrt sich gegen die Vorwürfe, er profitiere von seiner Nähe zum Präsidenten. Die Tatsache, dass er mit Sarkozy befreundet sei, dürfe ihm nicht zum Nachteil gereichen, betonte er.

soweit ntv.

Ja, nicht zum Nachteil gereichen, kann man auch als – „muss sich für mich in jedem Fall für mich auszahlen“ lesen und das tut es ja.

Außerdem wird nun der Chef des Staatsfernsehens vom Staatschef ernannt.
Basta! Zack, wieder eine Reform durchgepeitscht, wieder einen Spezi reich gemacht. Das ging doch bei uns nur in Bayern, oder?

# 47 Lehrer bewerten in Deutschland und Frankreich: „spickmich“ vs „note2be“

Montag, 05. Januar 2009

flaggezwei_jahre_frankreich

Zum Umgang der Franzosen mit Autoritäten muss man sagen: Olala!
Da Sarkozy dauernd neue Freunde in Ämter hebt und es keinen Massen-Aufschrei des Wahlvolkes gibt, hat man den Eindruck, so lange ist die Monarchie gar nicht her und auch die Revolution, war wohl eher ein Revolutiönchen.
Während die Deutsche Lehrer-Bewertungsseite spickmich einen Sieg nach dem anderen gegen klagende Lehrer erringt, wurde die Französische Site note2be kurzerhand aus dem Verkehr gezogen. Nach massiven Protestschreiben der Lehrer und einem Gerichtsurteil wird nun nur noch in einer abgespeckten Form Kritik geübt – u.a. ist die Namenssuche nach Lehrern nur stark eingeschränkt möglich.
Kritik an Lehrern ist immer noch ein gesellschaftliches Vergehen. Nachdem die Englischlehrerin unserem Sohn beibringen wollte, dass es „Hi“ heißt, anstatt „Aitsch“ (bei der Buchstabierung des H im Englischen), haben uns andere Bekannte (selbst Lehrer) geraten, es auf sich beruhen zu lassen, sollte die Kritik bei der Lehrerin falsch ankommen, würde es nur auf dem Rücken des Sohnes ausgetragen. Aha. Vielleicht wird es Zeit für eine weitere Revolution. Die Schüler und Studenten haben in letzter Zeit vermehrt (leider nur gegen die Schulreform) gestreikt, vielleicht braut sich ja etwas zusammen. Das Land könnte es gebrauchen, um nicht in einer Starre aus Gehorsam festzufrieren.
Die Oberstufenreform wurde nun erst einmal verschoben.
Quelle: newsletter von artlawer:

Internetrecht: Neuer Sieg für „Spickmich“
Vorfahrt für die Meinungsfreiheit.
Bereits mehrfach wurde das Lehrerbewertungsportal im Internet „spickmich“ mit Klagen überzogen. Zuletzt klagte in Duisburg eine Lehrerin dagegen, dass ihre Schüler sie per Internet bewerten können. Erfolglos. Nach dem Urteil des Landgerichts Duisburg genießt die Meinungsäußerungsfreiheit den Vorzug vor dem Eingriff in das Persönlichkeitsrecht der benoteten Lehrerin. So entschied das Gericht, dass die Bewertungen der Schüler zulässige Werturteile und keine Verletzung des Persönlichkeitsrechts seien. Die Noten fielen in den Schutzbereich des Grundrechts auf Meinungsäußerung, sagte ein Gerichtssprecher.
Erst Ende Januar war eine Gymnasiallehrerin vor dem Landgericht Köln mit ihrer Klage gescheitert.
Quelle: SPIEGEL ONLINE v. 18.04.2008

# 46 neue Nummernschilder in Frankreich

Sonntag, 04. Januar 2009

flaggezwei_jahre_frankreich
Ab dem 1.1.2009 ist es vorbei mit der einfachen Bestimmung von Départments anhand der letzten beiden Ziffern bei der französischen Autonummer.
Zwar wird es weiterhin die alten Schilder geben, aber langsam werden sie verschwinden. Die schrittweise Einführung eines neuen Systems mit Namen SIV : Système d’Immatriculation de Véhicule hat begonnen.

Nummernschild

neue französische Nummernschilder


Die „19“ auf dem unteren Schild ist dann nur noch ein Zusatz, der freiwillig ist. Gerade hat man sich daran gewöhnt, jeden Pariser (75) der übers Wochenende nach La Manche (50) kurvt zu entziffern, da ist es auch schon wieder vorbei. Schade.
Die Einführung stößt auf breiten Widerstand, weil man eben nicht mehr, hinter jedem Auto los hupen kann, das mit der gleichen Endnummer versehen, den Verkehr aufhält. Mit der neuen „Tarnnummer“ ist es vielleicht einer aus einem ganz anderen Département?
Der Vorteil: man behält die Nummer ein Leben lang (wie in England) und muss sich keine neue Autonummer merken oder wie in Deutschland bei jedem Umzug das Autokennzeichen wechseln und blechen.

Bei 13 Millionen An- und Ummeldungen im Jahr stoße das bisherige System an Kapazitätsgrenzen, heißt es,

bei Monster and Critics. Vielleicht ist das ja ein Vorschlag, bei dem die Deutschen den Franzosen mal was abschauen können.
Mehr zu lesen in der Wiener Zeitung oder beim französischen Innenminister.

# 45 die Verfeinerung der Geschmacksnerven und das Archaische liegen eng beieinander

Freitag, 02. Januar 2009


Eigentlich wollte ich Herrn Wolfram Siebeck ordentlich in die Pfanne hauen, da er ganze Landstriche im ZEITmagazin der Kulinarischen Barbarei bezichtigt hat – die armen Ossiländer. Wer sich aber so beschissen anziehen kann (ZEITmagazin Nr. 1 vom 23.12.2008, S. 46) und dann noch vorgibt einen ausgesuchten Geschmackssinn zu haben, der disqualifiziert sich einfach selbst. Der Mann strotzt vor Überheblichkeit, wenn er dem Heer der Ost-Köche rät „aus diesen verpönten Innereien“ (vollständiger Artikel) einen verfeinerten Leckerbissen zu machen.
Was nun aber gesagt werden muss: der Geschmack soll sich Verfeinern dürfen und dazu braucht man entweder Kultur oder das Experiment.
Ob man nun herausschmeckt, ob die Nutella aus Deutschland oder aus Frankreich kommt, halte ich für einen Versuch in die richtige Richtung, auch wenn Kenner das sofort mit „na klar schmeckt man´s“ beantworten:

Die Geschmacksaufgaben müssen zunehmend schwieriger werden, sonst landet man irgendwann bei drei Gerichten, die man zwanghaft abzuwechseln versucht. Nutella mit Brot, Nutella mit Kartoffeln, Nutella mit Nudeln.
Das fällt unter deutsche Geschmacksverfeinerung, während der Franzose schon beim Anblick erkennt, ob die Foie Gras selbstgemacht oder gekauft ist – übertrieben gesprochen.
Foie Gras hätte ich früher nie gegessen, schleichend kann ich mir aber vorstellen, dass man diesen Geschmack zum Kulturgut erklärt (wie bei den Franzosen geschehen). Ein schwerer Gewissenskonflikt: Kultur oder Kreatur? Dass sich die Franzosen auf die Seite der fragwürdigen „Genuss-Kultur“ stellen ist bezeichnend.
Es muss an dieser Stelle gesagt werden, dass es nicht zu rechtfertigen ist, dass Tiere gequält werden, warum auch immer. Das scheint in der französischen Gesellschaft nicht angekommen zu sein, da an Weihnachten auf jeder Festtafel die Foie Gras zu finden ist.
Videos wie diese zeugen von Grausamkeiten, die einem den Appetit vergehen lassen.
Wer sich also dagegen aussprechen will, kann das hier tun: Manifest zur Abschaffung der Stopfleber.
Andererseits im Agrarstaat Frankreich (50% aller Bürgermeister sind Bauern) lebt man mit einem Fuß im Feld. Man kennt, liebt und tötet die Kreatur. Unsere Nachbarn schlachten Hühner, Hasen, Schafe, Ziegen, Schweine zum Teil noch selbst. Davor habe ich zum einen Respekt, zum anderen schüttelt es mich, weil ich die Grausamkeit, die mit der Schlachtung einher geht, nicht wahrhaben will. Wenn wir sie selbst schlachten müssten, die Tiere, dann gäbe es sicher bald ein paar Vegetarier mehr unter uns. Die Bauersfrau fragt mich, wieso ich nur die Schenkel oder die Brust vom Huhn will? Was soll man den mit dem Rest von diesem „kaputten“ Huhn machen. Chicken MC Nuggets?
Ich habe mich also daran gewöhnt, dem Suppenhuhn den Kopf selbst abzuschneiden und die Innereien vor dem Kochen aus dem Hühnchenkörper zu nehmen.
Es gibt auch einen Bauern in St. Martin le Hébert, der Gänse und Enten hier in der Nähe hält. Auch er macht die Foie Gras. Jeden Tag fahre ich an seinen im freien gehaltenen Tieren vorbei und kann mir nicht vorstellen, dass er so barbarische Mittel wie im Video oben anwendet. Er hat mir auch schon den Raum gezeigt, in dem die Tiere geschlachtet werden und selbst diese Schlachtküche hat mich noch nicht abgeschreckt. Wenn ich einen mutigen Tag habe, dann frage ich ihn danach, wie das mit der Mast bei ihm funktioniert. Das Archaische und die Verfeinerung der Geschmacksnerven liegen scheinbar ganz eng beieinander hier in Frankreich.

Ein Jahr Frankreich # 15 Wenn der Nachbar „Tag der offenen Tür“ hat

Montag, 22. Oktober 2007

Ein Jahr Logo
Immer im September, wenn die Franzosen wieder in ihrem Land unter sich sind, gibt es den Tag des Denkmals: „Les Journées du Patrimoine“ Genauer vielleicht mit „Tage des kulturellen Erbes“ zu übersetzen.
Dann kann man ausgesuchten Orten einen Besuch abstatten, obwohl am Tor „Privatbesitz“ steht.
Die einmalige Chance unseren nächsten Nachbarn in die Suppenschüssel zu schauen, lassen wir uns nicht entgehen: „La Cour“ oder „le Manoior“ in St. Martin le Hébert hat geöffnet:
programm "Les journées de la Patrimoine"
Mit stolzgeschwellter Brust wird das Anwesen präsentiert, der Schloßherr persönlich reißt die Eintrittskarten ab und seine Söhne passen auf, dass sich keiner verirrt. Das Schlößchen (aus dem 15. Jahrhundert bis 17. Jahrhundert) mit Wassergraben, schön symetrisch von 4 Türmen eingerahmt, liegt malerisch an einem Bach, der zum Wassergraben gestaut wird.
lacour
Links vorne der Taubenturm, daneben sieht man den Kamin der hofeigenen Bäckerei.
Der Taubenturm ist innen hohl.
Taubenturm
Eine spezielle Mauertechnik (1596 helle Steine, aus einem Steinbruch bei Valognes gewonnen, wurden versetzt zueinander aufgeschichtet), ermöglicht es, dass bis zu 4000 Taubenpaare im Turm nisten konnten. Wozu ein Taubenturm?
Eier, Sonntagsbraten und Dung für den Terrassengarten hinterm Schloß.
Noch ein paar Bilder von „la cour“.

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